wenn wir aus dem nähkästchen plaudern würden, käme ein solcher artikel dabei heraus. tun wir natürlich nicht, daher sind die genannten sachverhalte frei erfunden.

… weil ihre gegner socialmedia schon längst nutzen

„das sind nur ne handvoll leute, die kaum einfluss haben und die ohnehin niemand mag.“ so wurden uns die initiatoren einer bürgerinitiative gegen ein bauvorhaben beschrieben – und in der tat, die ersten protest-zusammenkünfte mit fotokopierten handzetteln auf ausgebreitetem kleinteppich mitten auf dem marktplatz erinnerte eher an die verteilung einer obdachlosenzeitschrift als an eine ernst zu nehmende politische kraft.

doch dann kamen drei faktoren hinzu: ortsansässige und um ihre bedeutung fürchtende geschäftsleute, facebook und twitter.

erstere übernahmen die massive einflussnahme auf kunden, netzwerkpartner und die lokale presse. letztere übernahmen die massenkommunikation. die bürgerinitiative bekam eine facebookseite, einen twitter-account, eine menge fans, follower und jede menge auftrieb. die stimmung vor ort schlug um.

im rahmen eines dem investor vorgeschlagenen 15-punkte-maßnahmenpaketes wurden nur 5 umgesetzt. socialmedia gehörte nicht dazu.

die weitere entwicklung in aller kürze: zulauf für die bürgerinitiative, bürgerbegehren, bürgerentscheid, niederlage – und vermutlich ein finanzieller verlust in deutlich sechsstelliger größenordnung für den investor.

es ist spekulativ, ob socialmedia das blatt gewendet hätte.

fakt ist aber, dass der einsatz von socialmedia gut geeignet gewesen wäre, der immer größer werdenden protestbewegung die argumente des investors nahezubringen, unwahrheiten geradezurücken, gerüchte kleinzuhalten und die nach der 90-9-1 regel große macht einer zunächst kleinen gegnerischen minderheit einzudämmen.

und der finanzielle einsatz, der für eine socialmedia-kampagne nötig gewesen wäre, hätte sich im kleinen fünfstelligen bereich doch sehr in grenzen gehalten.

zurzeit beobachten wir in köln ein stadtentwicklungsvorhaben, bei dem die gegnerschaft über gleich 2 facebook-fanpages und eine intensive twitter-präsenz verfügt. der investor hingegen, ein namhafter kölner baukonzern, ist socialmediamäßig inaktiv, d. h. er lässt seine kontrahenten auf facebook und twitter machen, diskutiert nicht mit und bringt seine argumente nicht ein.

wir sind gespannt, wohin das führen wird.

… weil ihre mitbewerber es schon tun

es ist natürlich, dass vielen, die etwas nicht verstehen, immer einige gegenüberstehen, die es verstanden haben.

und diesen wenigen gelingt es, sich in sozialen netzwerken einen kommunikativen vorsprung zu erarbeiten, der (wenn’s gut gemacht ist) zu einer vorreiterrolle führt oder die bereits vorhandene vorreiterrolle unterstreicht.

gewiss gibt es inzwischen etliche positive beispiele. hier seien nur einige wenige genannt:

als bauunternehmen – max bögl: www.facebook.com/maxboegl

als immobilienmakler – roland kampmeyer: www.facebook.com/kampmeyer.immobilien

als immobilien ag – immovation: www.twitter.com/immovation_ag

doch vorsicht: ein facebook- oder twitter-account alleine macht noch keine gute socialmedia-präsenz. in aller regel ist es eine kluge gesamtstrategie aus blog, website und einem schlüssigen, abgerundeten plattformen- und maßnahmenmix, die socialmedia zum erfolg führt.

„erfolg“ wird erst dann messbar, wenn man zu beginn eines projekt „ziele“ definiert. im projektfall kann dies die durchsetzung eines bauvorhabens gegen den widerstand einer bürgerinitiative sein. bei der unternehmenskommunikation können dies imageaufbau, bekanntheitsgrad, websitetraffic, erhöhung der lead-anzahl, personal-recruiting oder andere ziele sein.

… weil eine behauptung wie „durch socialmedia verkaufe ich keine wohnung mehr“ rein spekulativ und vermutlich unwahr ist

niemand vermag es zu ermessen, ob sie einen autounfall gehabt hätten, wenn sie heute zwei minuten früher zur arbeit oder zu einem außentermin gefahren wären. genauso spekulativ ist die immer wieder gehörte behauptung, dass socialmedia aktivitäten nicht zum verkauf/ zur vermietung auch nur einer einzigen wohnung führen würden. wenn sie kein socialmedia betreiben, können sie das schlicht und einfach nicht wissen.

sie können aber aus fakten einen naheliegenden rückschluss ziehen.

fakt ist, dass statistisch gesehen mindestens die hälfte ihrer käufer/mieter soziale netzwerke nutzt.

fakt ist, dass handlungen und entscheidungen dieser menschen auf socialmedia-plattformen beeinflusst werden, positiv wie negativ.

naheliegender rückschluss ist folglich, dass dieser einfluss sich auch auf eine kauf- oder miet-entscheidung zu ihren gunsten oder ungunsten beziehen kann.

logische konsequenz dieser fakten-rückschluss-kette wäre es nun, sich durch versierte socialmedia-fachleute beraten zu lassen, die ein socialmedia monitoring und ihre socialmedia-präsenz aufbauen.

doch auch wenn sie davon absehen, sollten sie zumindest nicht länger eine behauptung aufrecht erhalten, die den gesetzen der wahrscheinlichkeit widerspricht.

… weil es jahrhundertelang die normale kommunikationsform war und für die nächsten jahrhunderte die normale kommunikationsform bleiben wird

„die natur bricht sich immer ihre bahn.“ so drückt es der skeptiker in „jurassic park“ aus.

was in den letzten paar jahrzehnten mit der menschlichen kommunikation geschah, entsprach nicht ihrer natur. der mensch wurde von produktmarken über massenmedien wie tv, hörfunk, anzeigen o.Ä. berieselt, ohne dass er antworten, sich einbringen oder sich mit der marke austauschen konnte. das ist im socialmedia zeitalter vorbei.

künftig wird es sein wie vor der ära der massenmedien – menschen reden miteinander, übereinander, mit marken/produzenten, über marken/produzenten, wann, wie und wo immer sie wollen, zusätzlich beflügelt durch socialmedia-plattformen, die normale menschliche kommunikation in eine ganz neue dimension führen.

wer socialmedia also für hype, trend oder kurzlebig hält, irrt.

wer sich socialmedia verschließt, verpasst den anschluss an nicht weniger als eine künftig wichtige form menschlicher kommunikation.

… weil sie mit einem antiquierten image untergehen werden

„wozu brauch ich ein telefon? wenn ich mit freunden reden will, dann treffe ich mich mit denen persönlich.“ so untermauerte meine oma in den 50er jahren ihr schwindendes image bei den nachfolgenden generationen.

als immobilienunternehmen im socialmedia-zeitalter müssen sie aufpassen, dass es ihnen nicht genauso ergeht.

fazit:

es gibt etliche gründe für ein verstärktes socialmedia-engagement der immobilienbranche:

– widerstands-umgang und -prävention

– ihre mitbewerber

– ihr verkaufs-/vermietungs-erfolg

– ihr anschluss an die gesellschaftliche und kommunikative entwicklung

– ihr image

bitte nutzen sie die hiesige kommentarfunktion, um mit mir und meinen kollegen darüber zu diskutieren. wir freuen uns aber auch über ihr feedback auf facebook, twitter, google+ oder unseren sonstigen socialmedia kanälen.

weitere artikel, die sie interessieren könnten:

die 90-9-1 regel. wie einer alle bewegen – oder aufhalten kann

„Ein Plakat hält die Klappe“ – über das kommunikationsverhalten von marken im socialmedia-zeitalter

verstehen sie socialmedia?

back to the roots- warum die socialmedia kommunikation gar nicht so neu ist

 

[one_half][/one_half][one_half_last]autor: franz-josef baldus,
koelnkomm socialmedia
geschäftsführer[/one_half_last]

publiziert am 04.09.2013

  1. CONCEPT BAU
    09.03.2015

    Toller Beitragm der mal wieder auf die Relevanz des Internets heutzutage hinweist. Das kann gar nicht oft genug gesagt werden. Ich kann Ihren Beitrag nur voll und ganz unterstützen! Ich werde den Blog auch weiterhin verfolgen.

  2. Aderius
    06.03.2015

    Bei Social Media ist es wichtig etwas einzigartiges zu erstellen, dass die Facebook-Gemeine anreget die Inhalte zu teilen. Verschiedene Marketing-Experten schreiten darüber, was hier zum Erfolg bei Social Media führt. Meiner Meinung nach sollte man immer authentisch und ehrlich bleiben, die Menschen möchte mit einem Menschen sprechen und nicht mit einer anonymen Seite. Viele finden es unangenehm von sich Bilder zu posten, jedoch funktioniert es bei Social Media nur so. Die Immobilienbrache ist heiß umkämpft, deshalb ist es auch hier besonders wichtig etwas Besonderes zu zeigen. Bilder, Videos und Informationen über Hintergründe lassen die Herzen der Menschen schneller schlagen. Gruß Aderius (http://aderius.de/)

  3. Immobilien Schiff
    06.11.2014

    Social Media für Immobilienmakler müsste ich auch mal ausprobieren, damit habe ich mich leider noch nicht so viel befasst.

  4. Kathrin Fichte
    06.11.2014

    Guten Tag! Gibt es den Link zum Blogartikel noch? Wenn ich auf die Verlinkung klicke kommt immer nur ein „oooops, Error 404…“ Vielen Dank vorab! :-)

    • Franz-Josef Baldus
      06.11.2014

      Guten Morgen Frau Fichte,

      danke für den Hinweis. Wir haben das technische Problem inzwischen behoben und der Blogartikel ist wieder sichtbar.

      Viele Grüße
      Franz-Josef Baldus

  5. Michael Ruf
    17.04.2014

    Wichtig ist auch Online-Reputationsmanegemnt geworden… yelp, Makler-empfehlung.de etc.

  6. Informativer Artikel, wir nutzen auch schon länger Social Media als Info-Medium, allerdings kennen ich wirklich noch keinen Immobilienmakler, der über diese Schiene schon mal ernsthaft Geld verdient hat… und das ist doch am Ende des Tages das, wozu wir den Aufwand betreiben. Ich persönlich sehe es noch immer als Zukunftsinvestition an, die sich heute mit überschaubarem Aufwand betreiben lässt.

  7. Es gibt ja noch mehr Möglichkeiten, um noch mehr Bekanntheitsgrad zu erlangen. Zum Beispil mit Suchmaschinenoptimierung und gezielte Bannerwerbung. Mit Bannerwerbung zahlt man nur für jeden Klick auf die eigene Homepage. Warum noch Anzeigenblätter.

  8. Simone
    12.02.2014

    Ich habe Ihren Artikel gelesen. Die Infos sind gut und richtig, aber ich muss auch eine Kritik anbringen. Ich verstehe, dass es jetzt „In“ ist, alles kleinzuschreiben, aber es strengt beim Lesen an. Vielleicht bin ich auch zu alt dafür. 😉

  9. Dennis Soyka
    06.02.2014

    Es gibt ja noch mehr Möglichkeiten, um noch mehr Bekanntheitsgrad zu erlangen. Zum Beispil mit Suchmaschinenoptimierung und gezielte Bannerwerbung. Mit Bannerwerbung zahlt man nur für jeden Klick auf die eigene Homepage. Warum noch Anzeigenblätter.

  10. RK
    04.12.2013

    Ein spannender Beitrag. Meinung Meinung ist, dass Feuer nicht mit Feuer, sondern mit Wasser gelöscht wird. Gute Projektentwickler beherrschen Genehmigungsverfahren.

  11. Hans-Dieter
    30.11.2013

    Natürlich ist es gut um die Kundschaft zu erweitern. Man braucht sich nur ansehen wie manche Immobilienanzeigen-Blätter in den letzten Jahren verloren haben. Darüber hinaus kann man es natürlich auch als Ausweitung von Information und Service sehen.

  12. Dirk
    28.11.2013

    Mit Social Media sollten wir uns auch mal umfangreicher befassen, das ist sicherlich hilfreich für die Reichweite unseres Angebotes.

  13. Soziale Netzwerke sind sehr wichtig für Immobilienmakler. Die meisten Menschen haben soziale Netzwerke und verbringen viel Zeit Sharing Dinge. Ein Makler kann sie benutzen, um mehr Kunden zu bekommen, hören ihre Kritik und haben direkten Kontakt mit den Kunden. Sie müssen aktiv sein mit sozialen Netzwerken.

    • Franz-Josef Baldus
      15.11.2013

      Vielen Dank für den Kommentar. Die Maklerschaft nutzt Soziale Netzwerke schon recht intensiv, aber alle anderen tun sich schwer – vermutlich weil sie die ganze Dimension des „Content Marketing“ noch nicht kennen und sehen.

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