Das macht der Nachbar – Facebook für Stadtentwicklungsprojekte und Immobilienquartiere

Es ist ein altes, eisernes Gesetz: Nichts interessiert einen Menschen so sehr wie die direkte Nachbarschaft. Der Sturm vor der eigenen Haustür berührt einen viel stärker als der auf Tuvalu. Pflanzt der Nachbar Rosen, so überlegt man sich auch, wie man seinen Garten verschönern kann. Wird ein Haus in der eigenen Straße gebaut, schaut jeder mal vorbei, um zu sehen, was sich dort so tut. Klatsch und Tratsch sind Nachbarschaftsphänomene. Und das zeigt sich auch im Internet. Einer Umfrage von Immowelt zufolge nutzen vor allem jüngere Menschen Google, Facebook oder Co., um mehr über die Frau, den Mann, das Paar oder die Familie von nebenan zu erfahren.
Insbesondere Haus- und Eigentumswohnungskäufer informieren sich vor dem Kauf ausgiebig über die neue Umgebung. Die Interessenten möchten wissen, mit wem sie Tür an Tür wohnen. Als Investor oder Verkäufer sollten Sie diese Neugierde befriedigen. Und da bietet sich eine Social-Media-Plattform wie Facebook geradezu an.

Warum Facebook?

Facebook ist in erster Linie ein Nachrichtenkanal. Auf ihm werden Neuigkeiten, Klatsch- und Tratsch-Geschichten, Kurioses, Lustiges und Wissenswertes verbreitet. Laut Immowelt-Umfrage sind jetzt schon 4 % der Nachbarn über Facebook miteinander befreundet. Tendenz steigend. Und: Knapp 18 Millionen Deutsche sind bei Facebook registriert (Stand: März 2011). Auch hier: Tendenz steigend. Das heißt, fast jeder vierte Deutsche ist Mitglied von Facebook.
Sie können davon ausgehen: Passiert etwas Interessantes in der Nachbarschaft, gibt es jetzt schon eine große Gruppe von Menschen, die diese Nachricht auf Facebook weitergibt. Und diese Entwicklung sollten Sie als Unternehmer, Vermieter oder Investor nutzen. Posten Sie selbst.

Facebook-Fanpage oder Facebook-Gruppe?

Um ein Städtebauprojekt oder ein Wohnquartier gezielt auf Facebook zu bewerben, bieten sich zwei Möglichkeiten an. Einmal die Facebook-Fanpage, zum anderen die Facebook-Gruppe.
Die Gruppe ist exklusiver. Jedes Mitglied muss vom Administrator eingeladen oder bestätigt werden. Dafür ist der Inhalt der Seite nicht jedem zugänglich und besser zu kontrollieren. Die Fanpage ist hingegen offen für jeden; je nach Einstellung kann jeder registrierte Fan auf der Fanpage einen Kommentar hinterlassen.
Bei großen, neuen Standortprojekten bietet sich die Fanpage an; man will schließlich möglichst viele Menschen erreichen. Bei Nachbarschaftsvereinen und bestehenden Quartieren ist die Gruppe erste Wahl. Beide Seitenarten eröffnen Ihnen die Möglichkeiten, zum Beispiel Nachbarschaftsfeste anzukündigen, mögliche Renovierungsmaßnahmen mitzuteilen und zu erklären, einen Auszug anzukündigen und damit Vermietungsfläche anzubieten, sich nach einem Nachmieter umzuhören, von den Vorteilen des Viertels und der Umgebung zu berichten, Neueröffnungen zu verlautbaren. Und vieles mehr.

Wie erstellen Sie eine Facebook-Seite?

Um eine Facebook-Fanpage oder eine Gruppe zu gründen, müssen Sie als Privatperson bei Facebook angemeldet sein. Die weiteren Schritte sind einfach.
Wenn Sie eine Fanpage erstellen wollen, geben Sie am besten folgenden Link ein: http://www.facebook.com/pages/create.php. Dann folgen Sie den Anweisungen.
Den Link zum Erstellen einer Gruppe finden Sie auf Ihrer privaten Startseite (Gruppe gründen). Auch der Rest ist selbsterklärend. Natürlich können Sie die Arbeit auch an eine Agentur übergeben.

Die ersten Schritte auf Facebook

Nun können Sie loslegen. Zuerst sollten Sie Ihre Mieter, Nachbarn, Miteigentümer usw. einladen mitzumachen. Das können Sie online – sofern Sie Online-Daten wie E-Mail-Adressen oder Facebook-Page besitzen – oder offline durch Briefwurfsendungen oder Aushänge. Aber auch in Ihren Werbeprospekten und Anzeigen sollte der Hinweis auf die Facebook-Seite nicht fehlen. Bei großen Projekten empfiehlt es sich, eine spezialisierte Agentur einzuschalten. Sie kennt die Tricks und hat die Kontakte, um viele Fans zu generieren. Auch das Versenden von Nachrichten können Sie selbst übernehmen oder einer Agentur überlassen. Dabei sollten Sie unbedingt auf den Ton der Ansprache achten. Seien Sie nicht zu förmlich, posten Sie auch mal was Skurriles, achten Sie auf den Neuigkeitswert, bleiben Sie lokal. Sie befinden sich im Dialog mit Ihren Fans und Mitgliedern. Daher muss der Ton auf Dialog ausgerichtet sein.

Vom Zuschauer zum Beteiligten

Apropos Dialog: Der Link bei Facebook, der die Kommentarfunktion öffnet, heißt nicht von ungefähr „Teilen“. Menschen teilen Neuigkeiten mit anderen Menschen. Sie beteiligen sich. Sie geben Anregungen, Tipps, Nachmietervorschläge und vieles mehr, was für Ihr Projekt von Bedeutung sein könnte. Dazu gehört auch Kritik. Denn: Irgendetwas gibt es immer zu verbessern und Fehler zu suchen ist für manche Volkssport. So wird es auch auf Ihrer Facebook-Seite sein. Doch das sollte sie nicht schrecken. Denn Sie erhalten so – häufig ungefiltert – Anregungen und Verbesserungsvorschläge. Auf die können Sie eingehen, sei es, indem Sie erläutern, warum dies oder jenes leider nicht geht, sei es, indem Sie den Vorschlag umsetzen. Kommunikation hilft immer.
Denn gerade in der Beteiligung zeigt sich die Stärke von Facebook – auch für schwierige und kritische Projekte. Oder wie der chinesische Philosoph Lao Tse lange vor Facebook meinte: “Sag es mir – und ich werde es vergessen. Zeige es mir – und ich werde mich daran erinnern. Beteilige mich – und ich werde es verstehen.”

Autor: Jens Hüttenberger, Kreativpool immotional.
Texter und Buchautor

Publiziert am 04.04.2011

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